Freitag, 3. November 2017


Rechts-Rock und Themar

Themar, die Stadt, die drei Konzerte mit Rechts-Rock erlebte. Sehr viele Menschen, nicht nur aus Themar, empfanden das als einen Makel für die Stadt. Sie organisierten Widerstand unter Losungen wie 'Nazis raus' und 'Superhelden gegen braunen Dreck'. Viele der Zuhörer der Rechts-Rock-Konzerte waren aber auch aus Themar und Umgebung. Sind sie auch die Nazis, von denen Themar und Südthüringen 'befreit' werden soll?Sind sie der braune Dreck, der beseitigt werden soll? Oder sind sie nicht doch auch Menschen? Was soll mit ihnen geschehen? Wie soll die Befreiung aussehen? Eine Umsiedlung als Neuauflage der Aktion Ungeziefer nun als Aktion 'Brauner Dreck' vielleicht in ein Umerziehungslager? Die Teilnehmer der Konzerte sind Menschen wie wir, sicher die meisten gehen an den Werktagen einer geregelten Arbeit nach, schaffen am Bruttosozialprodukt. Und bei der Wahl zum Bundestag zeigte sich, die rechts orientierten Wähler sind keine Minderheit. Sind diese Bürger schlechte Bürger, weil sie der Meinung sind, es gibt im Osten Deutschlands sicher blühende Landschaften, aber zu viele ver-blühende. Sind diese Bürger vom Recht auf Gedankenfreiheit und Meinungsfreiheit ausgeschlossen?
Die Fragen sollte jeder sich selbst beantworten.
Sicher, am Anfang jeder Tat steht der Gedanke, die Meinung. Aus dem Gedanken kann die Tat werden. Manchmal wird auch das Wort eine Tat. Erst wenn diese Tat eine Straftat ist, dann ist sie zu verfolgen, aber von den dafür zuständigen Institutionen.
Nicht jeder, der etwas gegen den ungeregelten Zustrom von Ausländern aus welchen Gründen auch immer hat, gehört den Nazis an oder verherrlicht Rudolf Heß! Aber auch die Gegendemonstranten haben ein Recht auf freie Meinungsäußerung. Es ist zu hoffen, dass sie helfen, damit in Deutschland der Nationalsozialismus nicht die Macht ergreift.
Sollte 'MAN' nicht fragen, wieso in Deutschland im Jahre 2017 nationalsozialistische Ideen wieder hoffähig sind, wieso sie zum Gedankengut vieler Menschen gehören. Auf der Versammlung im Schützenhaus mit Prof. Hajo Funke in Themar (?) war das kein Thema. War sicherlich auch nicht gewollt. Warum?
Deutschland hat offensichtlich den Nationalsozialismus nicht in annähernd gleicher Weise und Stärke aufgearbeitet wie es die SED-Diktatur aufarbeitete und noch aufarbeitet.
Eine der tragenden Ideen des Nationalsozialismus ist die Verehrung des Soldatentums und des Krieges. Man schaue sich die Rücken der Männer auf den Bildern zu den Konzerten an.
Man möge mit offenen Augen an den Zeitschriftenregalen vorbei gehen, dort kann man die gedruckten Heldengeschichten sehen.
Schauen wir uns die Welt der Spiele an, es ist ein Leichtes, einen Menschen zu töten.
Die Bundesrepublik hat aktive Nazis und auch Kriegsverbrecher hoffähig gemacht und auch in der DDR ist zu vielen Nazis und ihren Ideen hofiert worden.
Die mangelnde Aufarbeitung ist vielfach erkennbar. In Schleusingen an der alten Synagoge hängt eine Tafel, nach der Nationalsozialisten die Synagoge zerstört haben. Vergessen ist mittlerweile, wer die Nationalsozialisten waren. Es waren sicher Bürger aus Schleusingen und Umgebung, sie kamen nicht vom Mond.
Die Gestapo konnte nur herrschen, weil es viele Spitzel gab, die selbst ihre Nachbarn denunzierten.
Und die Bürger, die Läden von Juden in der Kristallnacht plünderten, waren 'einfache und ehrsame' Bürger. Nein, nein, es ist kein Aufruf zur späten Rache bis in das dritte oder vierte Glied. Es ist ein Aufruf zur Besinnung auf uns selber.
Was gebraucht wird in Deutschland, vielleicht nicht nur hier, ist eine gründliche Auseinandersetzung mit dem Nationalsozialismus, mit seinen Ideen, mit den Ideen des Herrenmenschen, des Soldatentums, der Wertigkeit von Völkern und Rassen.
Die Deutschen sind doch schon wieder dabei mitzumischen in aller Welt, sie haben den Russen schon wieder als Feind ausgemacht und Deutsche wissen schon wieder, wie man anderen Völkern nicht deutsche, sondern westliche Werte vermittelt.
Nazis verherrlichten und verherrlichen den Krieg. Für sie war es der Krieg, in dem sich deutsche Männer beweisen konnten, der Krieg war das läuternde Element, der Krieg war die Mutter vieler Errungenschaften.
Aber der Krieg zerstört Menschen, Soldaten kehren verstört aus dem Krieg zurück oder aber sie müssen töten. Aus einfachen Soldaten, Familienvätern können plötzlich mindestens Verbrecher, oft auch Mörder werden, die selbst Kinder an die Wand werfen und so töten. Der Krieg verroht Völker und in jedem Krieg laden Sieger und Besiegte Schuld gegenüber anderen auf sich.
Würde Deutschland sich dem Frieden widmen, zumindest einer europäischen Friedensordnung, dann wäre das ein wichtiger Schritt zur Überwindung des leidvollen Erbes des Nationalsozialismus.
Sollten wir nicht erst und oft nachdenken? Meine Gedanken sind sicher nicht der Weisheit letzter Schluss, sie sind eine Meinung.