Mittwoch, 12. März 2014

Zur Vorgeschichte des Richtfunknetzes der Nationalen Volksarmee (RFN der NVA) Der nachfolgende Abschnitt beruht auf Erinnerungen aus der Zeit der Planung und des Aufbaus gibt Erinnerungen an Dokumente, Gespräche, Beratungen, Einweisungen und ähnliches aus den Jahren 1964 bis 1969 wieder.
Der Aufbau des Richtfunknetzes der Nationalen Volksarmee war ein Teil der Maßnahmen zur Vorbereitung des Landes auf den Verteidigungszustand. Andere Maßnahmen waren beispielsweise die Errichtung eines Grundnetzes, die Einrichtung von Ausweichobjekten, der Bau von Führungsstellen, die Vorbereitung der Wirtschaft auf den Verteidigungszustand. Die damalige politische und militärische Führung der DDR des Zeitraumes um das Jahr 1960 ging davon aus, dass ein möglicher Krieg sich auszeichnen würde durch militärische Operationen auf dem Territorium des Angreifers Truppen- und Nachschubbewegungen auf dem Territorium der DDR und später auf dem Territorium des Angreifers Zerstörungen auf dem Gebiet der DDR und dem des Angreifers Schwierigkeiten bei der Aufrechterhaltung des Nachrichten-, des Verkehrs- und des Gesundheitswesens und der Wirtschaft Außerdem rechnete die politische und militärische Führung der DDR mit Handlungen von Kräften des Gegners auf dem Territorium der DDR zur Lähmung der Verteidigungsfähigkeit. Zur Vorbereitung des Landes auf den Verteidigungszustand wurde neben anderem Maßnahmen zur Aufrechterhaltung der Wirtschaft und der Versorgung der Bevölkerung und damit auch der Versorgung der Streitkräfte und zur Sicherung der Operationsfreiheit, auch der Nachschub- und Versorgungswege ein territoriales Führungssystem für den Verteidigungszustand mit dem Nationalen Verteidigungsrat und Bezirkseinsatzleitungen aufgebaut An der Spitze des Führungssystems stand der Nationale Verteidigungsrat, ihm direkt unterstellt waren die Bezirkseinsatzleitungen. Die territorialen militärischen Führungsorgane in diesem Führungssystem im Verteidigungszustand sollten die Wehrbezirkskommandos sein, die Führungsstäbe der Bezirkseinsatzleitungen. Damit bekamen die Wehrbezirkskommandos und später auch die Wehrkreiskommandos einen völlig neuen Stellenwert, aus Verwaltungen wurden militärische Stäbe. Eine Voraussetzung für die Arbeitsfähigkeit eines Führungssystems waren ausreichend und sichere Nachrichtenverbindungen. Anfang der sechziger Jahre wurden im Interesse der Landesverteidigung und der Vorbereitung des Landes auf den Verteidigungszustand erhebliche Anstrengungen auf dem Gebiet des militärischen und des staatlichen Nachrichtenwesens unternommen. Die Wehrkommandos als vorgesehene territoriale militärische Führungsorgane verfügten bis Anfang der sechziger nur über Nachrichtenverbindungen, die lediglich ihrer bisherigen Stellung als territoriale Verwaltungen für die Gewinnung von Freiwilligen für den Dienst in der Nationalen Volksarmee und später für die Einberufung, die Mobilisierung und die Betreuung der Reservisten genügten. Die Wehrkreiskommandos verfügten Anfang der fünfziger Jahre durchweg über keine eigenen Nachrichtenzentralen und in vielen Fällen nur über einen Telefonanschluss und einen Fernschreibanschluss des öffentlichen Netzes, manchmal über eine kleine Wählnebenstellenanlage beispielsweise des Typs KWN V/25 oder eine Vorzimmeranlage/Reihenanlage (DIVA, EVA, RENA) die von Vorzimmerkräften bedient wurden. Dem Chef Nachrichten im Ministerium für Nationale Verteidigung, Oberst Georg Reymann, wurde die Aufgabe gestellt, innerhalb einer kurzen Frist vom Ministerium für Nationale Verteidigung als dem Sitz des Führungsstabes des Nationalen Verteidigungsrates zu allen und auch zwischen allen Wehrbezirkskommandos als den territorialen Führungsstäben der Bezirkseinsatzleitungen eigene und stabile Fernsprech- und Fernschreibverbindungen durch ein eigenes und vom Armeefernsprech-/-fernschreibnetz unabhängiges und für den Verteidigungszustand vorzuhaltendes und dafür bestimmtes Fernsprech- und Fernschreibnetz zu schaffen. Die Streitkräfte der Nationalen Volksarmee verfügten zu diesem Zeitpunkt bereits über ein eigenes Fernsprech- und Fernschreibnetz mit eigenen Nachrichtenzentralen. Dieses Netz wurde abgekürzt mit AFN bezeichnet. Es war in den fünfziger Jahren durch die Verwaltung Unterkunft aufgebaut worden. Das Armee-Fernsprech- und Fernschreibnetz der NVA (AFN) war ein weitgehend automatisiertes Fernsprech-/Fernschreibnetz, das fast alle Dienststellen direkt erreichte. Die meisten Teilnehmer konnten von ihren Fernsprechapparaten aus ihren gewünschten Teilnehmer in anderen Dienststellen direkt anwählen, auch wenn dessen Dienstort hunderte Kilometer entfernt war. In den Fällen, in denen es zum Teilnehmer oder zur Vermittlung einer Dienststelle keine wahlfähige Verbindung gab, wurde die Verbindung über einen Bedienplatz(Vermittlungsplatz) und OB-Leitungen hergestellt. Als Vermittlungstechnik wurden in den großen Vermittlungsstellen Groß-Wählnebenstellenanlagen mit Komponenten der Basa-Technik eingesetzt, deshalb die Abkürzung GWN/Basa mit GWN als Abkürzung für die Groß-Wählnebenstellenanlage und Basa für die Bahnselbstanschlußanlage. In kleineren Dienststellen, die reine Endstellen im Netz waren, wurden auch kleine Wählnebenstellenanlagen oder mittlere Wählnebenstellenanlagen beispielsweise die KWN V/25 mit 5 Amtsleitungen und 25 Teilnehmern oder später die MSN VII/70 eingesetzt. In manchen Dienststellen war nur eine Vorzimmeranlage, beispielsweise eine DIVA 68(?) oder eine Reihenanlage RENA 67(?) vorhanden. Nichts hätte näher gelegen, als das Armeefernsprechnetz für die Belange der Wehrkommandos auszubauen. Dagegen sprach 1. Das bestehende Armeefernsprechnetz war der militärischen Hierarchie der Streitkräfte folgend strukturiert und nicht territorial und diente vorrangig dem täglichen Dienst. 2. Vorgegebenes Ziel war es, ein unabhängiges Netz zu Sicherung der Nachrichtenverbindungen der Wehrkommandos als militärische Stäbe der Einsatzleitungen (Bezirkseinsatzleitungen, Kreiseinsatzleitungen) im Verteidigungszustand schaffen. In der Verwaltung Nachrichten wurde untersucht, wie ein solches territorial strukturiertes, unabhängiges Netz zu schaffen sei. Eine Möglichkeit wurde in Konsultationen mit der Abteilung Fernmeldewesen beim Zentralkomitee der SED geprüft. Der Parteiapparat verfügte über ein territorial gegliedertes und vom öffentlichen Fernsprechnetz unabhängiges Fernsprech- und Fernschreibnetz mit den Mitarbeitern der Kreisleitungen und Bezirksleitungen als Teilnehmer. Die Mitarbeiter im Richtfunknetz der SED waren ausgesuchte und gut ausgebildete Fachleute und verfügten über langjährige Erfahrungen. Die Abteilung Fernmeldewesen verfügte über einen gut organisierten technischen und operativen Betriebsdienst. In Brandenburg befand sich eine Ausbildungsstätte und in Jessen ein eigenes zentrales Lager. Die technischen Anlagen und die Gebäude des Netzes befanden sich im Eigentum der SED. Das Netz stützte sich auf Übertragungswege mit Richtfunkverbindungen und wurde als Richtfunknetz der SED bezeichnet.